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Ausgewandert nach New York City – Stefanie von Comfortzoneless im Interview

‚Life begins at the end of your comfort zone‘

So wie Neale Donald Walsch denkt auch Stefanie. Sie lebt seit einigen Monaten in der angesagten Metropole New York. Die gebürtige Deutsche ist ausgewandert, um ihrer Komfortzone zu entkommen und sich persönlich herauszufordern. Mit New York hat sie sich eins der aufregendsten Auswanderer-Ziele ausgesucht.

In ihrem Blog Comfortzoneless.de berichtet sie von ihren Erlebnissen im Big Apple und ihrem gar nicht so alltäglichem Alltag. In unserem Interview erzählt sie uns mehr über sich und ihre Wahlheimat New York und ihre ganz persönlichen Highlights!  Besonders freuen wir uns über ihre Insider-Tipps für Gratis-Aktivitäten für eure nächste Reise nach New York!

 

Comfortzoneless

 

1. Könntest du deinen Blog mit ein paar Sätzen beschreiben? Was macht ihn so besonders?

Auf Comfortzoneless schreibe ich über alles, was durch meine Gehirngänge wandert, wenn ich Abstand zu meinem Heimatland und meiner alten Komfortzone habe. Es geht um Veränderung, Alternativen zum Gewöhnlichen, verschiedene Reise- und Lebensstile und ums Erforschen von Neuem.

Mein Blog ist nicht nur für jene, die unterwegs sind, sondern für alle, die jeden Morgen den gleichen Weg zur Arbeit fahren und sich fragen „Ist das alles?“. Und ich selbst hatte viele Autofahrten wie diese.

2. Wie bist Du zum Bloggen gekommen? Was macht Dir am meisten Spaß daran?

Als ich mich 2014 von Job, Wohnung und jeglicher Geradlinigkeit trennte, hielt ich Daheimgebliebene mit einem privaten Blog auf dem Laufenden. Mir machte es Spaß, darüber zu reflektieren, was ich unterwegs erlebte und wie es mich veränderte. Ich dachte, das Bloggen ist eben etwas, was ich auf Reisen tun sollte. Wieder zurück in Deutschland beschäftigte ich mich intensiver mit Gedanken über die Laufbahn im Leben, den Alltag, verschiedene Lebensformen und welche Rolle der Geist und ein Wandel spielen. Comfortzoneless war entstanden und hält nun dafür her, diese Fragestellungen zu diskutieren.

interview comfortzoneless

3. Wie reist du am liebsten?

Unbefangen, hemmungslos, leidenschaftlich, aufgeschlossen, intensiv, versunken, allein, unbeschwert und spartanisch. Aber auch überwachsam und eher strukturiert.

Ich der Fremde bin ich leicht zu begeistern. Unbekanntes ist interessant. Ich nehme mir viel Zeit zum Erforschen, erkunde viel zu Fuß und beobachte gern das Miteinander von Menschen anderer Kulturen.

4. Wie lautet dein Lebens- bzw. Reisemotto?

“Don’t live the same year 75 times and call it a life.” Robin Sharma

Das Leben ist eine Chance. Es ist wertvoll. Wir haben die Möglichkeit, ein ganzes Leben zu gestalten. Unser Leben.

Mit dem Reisen und damit dem Abstand zu meiner Heimat begreife ich immer wieder, dass es unheimlich viele Wege gibt, die man im Leben gehen kann. Momentan probiere ich verschiedene Lebensweisen aus, nehme mit, was die Welt mir zu bieten hat und arbeite auch mal in Jobs, die nichts mit meinem Studium zu tun haben.

Das Leben ist relativ einfach. Wir sollten mehr wagen, uns weniger sorgen und vor allem weniger funktionieren und mehr lächeln.

5. Du reist ganz alleine um die Welt. Welche Fragen spielen deiner Meinung nach für alleinreisende Frauen eine wichtige Rolle?

Ich denke, zwei entscheidende Fragen beschäftigen Frauen: Wie sicher ist es? Und werde ich mich irgendwann einsam fühlen? Einsam kann man sich auch in Gesellschaft fühlen.

Was die Sicherheit angeht, sollte man das jeweilige Reiseland recherchieren, aber sich nicht überinformieren. Mir hilft es, zu verstehen, dass in vielen Ländern der Stand der Frau in der Gesellschaft ein anderer ist, als in westlichen Ländern. Es ist nicht selbstverständlich, so selbstsicher und frei zu sein, Entscheidung zu treffen und allein als Frau um die Welt zu reisen – allein und unverheiratet. Dass Frauen Bier trinken, weibliche Reize zeigen oder Tätowierungen haben, ist in vielen anderen Ländern unvorstellbar. Ich bin bisher gut damit gefahren, mich anzupassen und damit unterzumischen.

Eine gesunde Skepsis sollten alleinreisende Frauen bewahren. Oft wird dir geholfen, wenn du dich mit deinem Gepäck abmühst, aber oft wird gerade diese Hilflosigkeit ausgenutzt. In dieser Hinsicht kann man wohl nie erfahren genug sein. 

Brooklyn Bridge in New York City USA
Sonnenaufgang @ Brooklyn Bridge

6. Welche Reiseziele stehen noch auf deiner „Bucket List“?

Meine Bucket List enthält keine Reiseziele sondern Reisebeschäftigungen. Ich möchte in der Fremde etwas ER-leben, was mir mein Heimatland nicht bieten kann. Ich möchte weiterhin in fremden Ländern arbeiten und verschiedene Alltage kennen lernen.

Ich möchte irgendwann für längere Zeit in einem Bungalow am Strand wohnen. Longtailboote, Schnorcheln und Inselhopping habe ich in Südostasien sehr gemocht.

Ich könnte mir auch vorstellen, über längere Zeit mit einem Wohnwagen durchs Land zu fahren, denn ich finde diese ultimative Freiheit, jeden Tag weiterzuziehen, genial. Ich mag Roadtrips. Davon soll es in Zukunft mehr geben. Wohin? Jedes Land ist interessant, solange es anders ist.

8. Momentan lebst du für ein Jahr in New York. Was reizt dich besonders an dieser Stadt?

Diese Stadt ist der pure Wahnsinn. New York besitzt sehr viel Energie, erfordert aber auch viel. Als Weltenbummlerin finde ich die kulturelle Vielfalt spannend und die Tatsache, dass ein Großteil der Menschen hier gar nicht aufgewachsen ist.

Ich mag, dass kein Tag exakt wie der andere abläuft. Die U-Bahn verspätet sich und es gibt ein gewaltiges Gedränge an der Haltestelle. Oder es rollt einer mit dem Skateboard und einem Müllsack auf dem Rücken die 5th Avenue zwischen den Taxis entlang. Grell einkostümierte Menschen sind am hellen Tage keine Seltenheit. Und neulich hielt mir eine Frau im Supermarkt einen Beutel für meine Äpfel auf. Ich war so verdutzt von der Höflichkeit. Damit hatte ich in New York nicht gerechnet.

Ich werde den New Yorker Way of Life nie vollkommen verstehen. Vieles bleibt für mich ein Rätsel und das macht den Reiz aus. New York steckt voller Extreme. Was das Sehen und Erleben angeht, hat man New York wohl nie abgehakt. Ich entdecke New York jeden Morgen neu.

Aerial view of Manhattan skyline at sunset, New York City

9. Was ist dein persönliches New York-Highlight?

Am meisten hat es mir das mysteriöse Untergrundlabyrinth angetan. Die U-Bahn in New York ist mehr als nur ein Transportmittel. Es zeigen sich angehende Talente in Tanz, Verkleidung und Gesang. Es werden gesellschaftspolitische Themen kommuniziert. Die Werbeplakate an den U-Bahnstationen sind manchmal urkomisch. Es gibt so viele unterschiedliche Kleidungsstile zu beobachten, aber kaum wird gestarrt. Alles ist erlaubt. Die U-Bahn ist ein Ort zum Schlummern und Lesen. Manchmal passieren schon skurrile und verrückte, aber auch schöne und witzige Sachen. Meine Erlebnisse in der U-Bahn habe ich in einem Artikel zusammengetragen.

New York City Street and Subway Scene

 

10. In New York gibt es zahlreiche tolle Attraktionen, doch leider sind diese oftmals sehr teuer. Hast du Geheimtipps für kostenlose Aktivitäten, damit der Urlaubsgeldbeutel etwas geschont wird?

Wie erwähnt, in der Subway sollte man die Kamera für die einzigartigen New York Erlebnisse bereit halten. Die Wochenmetrokarte berechtigt auch, mit dem Bus in allen fünf Stadtteilen zu fahren. So bekommt man eine oberirdische kostenlose Stadtrundfahrt. Ich mache das oft. Ebenso kann man mit der Wochenbahnkarte unendlich oft mit der Seilbahn zwischen Manhattan auf Roosevelt Island verkehren. Die Überfahrt ist kurz aber erlaubt einen weiten Blick in die Avenues. Roosevelt Island selbst bietet einen der besten Blicke auf die östliche Skyline von Manhattan. Ich empfehle auch, die kostenlose Staten Island Fähre kurz vor Sonnenuntergang zu nehmen. Da ist das Licht für Fotos besonders gut. Auf dem Rückweg ist es dann bereits dunkel und Freiheitsstatue sowie Manhattan’s Wasserfront sind beleuchtet.

Was sportliche Aktivitäten anbelangt, kann man donnerstagabends und samstagmorgens für 20min. auf dem East River ein Kajak ausleihen und den Blick auf Manhattan genießen. Los geht es im Brooklyn Bridge Park am Pier 2. Im Bryant Park werden täglich Kurse angeboten, zu denen man ohne Anmeldegebühr zustoßen kann, wie Yoga, Pilates oder Jonglieren. Apropos Parks, im Sommer werden auf nahezu allen Grünflächen der Stadt Filmnächte veranstaltet, die keinen Eintritt verlangen. Am besten hält man Augen und Ohren offen. Paraden, Wochenmärkte oder -messen finden durchgängig statt.

Roosevelt Island
Roosevelt Island
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