Mitsegeln Timo Peters
[ Inspiration ][ Jobs rund um das Reisen ][ Service: Tipps & Tricks ]

Urlaub auf der Segelyacht – zum Nulltarif!

Der Himmel über Gran Canaria färbt sich rötlich, im Westen versinkt die Sonne gerade im Atlantischen Ozean. Von Land höre ich noch leise das metallische Klopfen eines Hammers, in der kleinen Bootswerft ist offenbar noch kein Feierabend. In das Geschrei der Möwen mischt sich das Gedudel eines spanischen Radiosenders, während ich mir ein Bier öffne.

Eine große, weiße Superyacht kommt gerade durch die Hafeneinfahrt getuckert. Ich beobachte das hektische Treiben an Bord und stoße mit meinem Skipper Randy an: Auf einen schönen Törn!

Ich befinde mich an Bord der „Mystique“, einem 50 Fuss langen Segelschiffs unter amerikanischer Flagge und freue mich auf den nächsten Tag. Früh morgens um sieben wollen wir ablegen. In gut zwölf Stunden werde ich von See aus auf den Hafen und die Strände Gran Canarias schauen und unter vollen Segeln über den Ozean gleiten.

Was sich so anhört – und auch anfühlt – wie ein echter Luxustrip für Großverdiener, ist in Wirklichkeit ein richtiges Low-Budget-Abenteuer. Mehrere Wochen bin ich an Bord der Viertelmillion-Yacht, habe meine eigene Koje. Kostenpunkt: Null Euro.

So funktioniert Hand gegen Koje

Urlaub auf der Segelyacht

„Hand gegen Koje“ nennt sich meine Art des Reisens, die Segeltörns vor den schönsten Küsten der Welt auch für Normalverdiener und sogar für arme Studenten möglich macht. Ich tausche meine Arbeitskraft („Hand“) gegen einen Schlafplatz an Bord („Koje“) und erlebe so einen exklusiven Segeltörn völlig umsonst.

Im Internet gibt es verschiedene Portale, die Skipper und Mitsegler zusammen bringen. Die größte deutschsprachige Börse gibt es auf handgegenkoje.de. Dort findet man auch „Schnuppertörns“ übers Wochenende zum Beispiel an der deutschen Ostseeküste. International gibt es zum Beispiel findacrew.net, wo auch größere Reisen bis zur Atlantiküberquerung gefunden werden.

Auch bei Facebook gibt es verschiedene Seglergruppen, in denen Skipper auf der Suche nach Crew sind.

In großen Yachthäfen, wie zum Beispiel dem auf Gran Canaria, gibt es auch schwarze Bretter in den Hafenbüros. Auf denen kann man sich als für ein Boot anbieten kann.

Welche Arbeiten fallen an Bord an?

Mitsegeln auf Segelyachten

Auf Segelyachten gibt es mehr zu tun, als man als Laie so denkt: Abgesehen vom Segeln selber muss auf engem Raum gekocht werden und das Boot in Ordnung gehalten werden. Regelmäßig fallen Reparaturen an und der Ausguck muss rund um die Uhr besetzt werden. Nur ganz harte Kapitäne schaffen das alleine.

Gerade auf längeren Törns freut sich der Skipper oft über jede helfende Hand an Bord – schließlich will auch er mal dazu kommen, zu entspannen und seinen Urlaub zu genießen.

Überraschend viele Bootseigner suchen deshalb nach Mitseglern. Ebenfalls überraschend: Mitsegler müssen oft nicht einmal viel Segelerfahrung mitbringen, um sich an Bord nützlich zu machen. Neben Handwerkern und Köchen werden auf einigen Booten zum Beispiel auch Leute gesucht, die den Törn dokumentieren können: Fotografen oder Filmer sind oft gern gesehen.

Einige Mitsegler werden auch nur mitgenommen, weil sie die Sprache des Törngebiets sprechen. Sie können bei der Kommunikation mit Hafenbüros oder Behörden vor Ort helfen. Manchmal reicht es sogar schon, wenn man ein Musikinstrument spielt und so die Crew auf längeren Passagen bei Laune zu halten.

Das kostet der Spaß an Bord:

Segelurlaub gratis

Die Kosten für einen Segeltörn als Mitsegler variieren stark. Sie sind davon abhängig, was der Mitsegler kann und welche Arbeiten er verrichtet, aber auch davon, wie dringend ein Kapitän wirklich auf Mitsegler angewiesen ist.

So gibt es wirklich Mitsegel-Gelegenheiten, die komplett umsonst sind. Der Skipper stellt die Koje und übernimmt auch die Kosten für Verpflegung und Hafengebühren. Manchmal bezahlt er sogar die Anreise. Es gibt sogar Fälle, in denen Mitsegler für ihren Dienst an Bord bezahlt werden. Dafür sind aber oft sehr spezielle Fähigkeiten und Segelerfahrung nötig.

Der Regelfall beim Hand-gegen-Koje-Segeln ist, dass man die Koje kostenlos bekommt, sich aber an der Bordkasse beteiligt. Das heißt: Die Crew teilt sich die Kosten für Proviant, Hafengebühren und Diesel.

Bei anderen Mitsegelgelegenheiten verlangt der Käpt’n zusätzlich zur Bordkasse eine Tages- oder Wochenpauschale, die sich meist zwischen 10 und 30 Euro am Tag bewegt. Hier ist allerdings die Grenze zum klassischen Kojencharter fließend: Man muss an Bord weniger arbeiten, nicht wirklich segeln können und hat oft auch mehr Mitbestimmungsrechte bei der Auswahl der Route und der Häfen.

In jedem Fall kommt man dank Hand gegen Koje an einen bezahlbaren Urlaub mit jeder Menge Abenteuer, neuen Eindrücken und wahrscheinlich auch jeder Menge Hafenromantik beim Feierabendbier.

Auf meinem persönlichen Blog findet ihr alle Informationen und Tipps zum Segeln per Hand gegen Koje. Wenn ihr noch Fragen habt, freue ich mich aber auch – einfach unten in den Kommentaren!

Tags: , , ,

Send a Comment

Your email address will not be published.