Stewardess Flugzeug
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Stewardess Sally im Interview – Einblicke in das Leben einer Flugbegleiterin

Sally – 24 Jahre – ist Flugbegleiterin mit ägyptischen Wurzeln, die seit drei Jahren für eine kanadische Airline um die Welt fliegt. In unserem Interview erzählt sie uns, mit welchen Situationen man in ihrem Beruf umgehen muss und welche Fähigkeiten man mitbringen sollte. Ein besonderer Einblick in das Arbeitsleben in 12.000 Metern Höhe..

Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt.

1. Wie lange arbeitest du schon als Flugbegleiterin?
Ich arbeite seit 2012 als Flugbegleiterin.

2. War Stewardess schon immer dein Traumberuf?
Im Gegensatz zu gängigen Antworten auf diese Frage – Nein. Die Arbeit als Flugbegleiterin war mehr oder weniger eine Arbeit, die mich ausgesucht hat. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – nämlich an einem Flughafen. Dort wurde ich darauf hingewiesen: „Du wärst super geeignet für den Beruf!“ Daraufhin habe ich mich also beworben und wurde sofort danach eingestellt! 🙂

3. Was ist deine Lieblingsroute / bzw. Lieblingsort und warum?
Meine Lieblingsroute ist die Riviera Maya in Mexiko (Cancun). 3 ½ Stunden Flugzeit direkt von Toronto aus, also sehr schön kurz. Inzwischen ist dort schon fast mein zweites Zuhause. Bei der Landung werde ich von gut gelaunten Angestellten, die für mich schon zur Familie gehören, und dem Geruch von salziger Meeresluft begrüßt. Ich genieße es mich in die mexikanische Kultur zu vertiefen, die Sprache zu lernen, zu tanzen und die regionale Küche kennenzulernen. Cancun ist ein Ziel, welches ich fortlaufend zwischen Oktober und März fliege – das ist ideal, um meinen Teint von der Sonne verwöhnen zu lassen, und lockiges Haar von den Meereswellen zu bekommen.

4. Was sind besonders wichtige Fähigkeiten für den Beruf als Flugbegleiter?
Die meisten Flugbegleiter sind ausgebildete Sicherheitsfachleute. Es wird außerdem ein umfangreiches Wissen über Kundenservice vorausgesetzt. Einerseits zählt der Umgang mit medizinischen Situationen an Board wie zum Beispiel Herzinfarkt, Geburten, Erbrechen, Dehydration, Wunden, Reiseübelkeit und in seltenen Fällen auch Tod zu den obligatorischen Fähigkeiten einer Flugbegleiterin. Wenn wir aber gerade nicht damit beschäftigt sind ein Kind auf die Welt zu bringen, ist es auch sehr hilfreich zu wissen, wie man einen Tomatensaft öffnet, ohne dabei die weiße Bluse der Uniform geschweige denn den neuen italienischen Anzug des Passagiers zu bekleckern!

5. Wie viele Sprachen sprichst du? Gebrauchst du sie alle täglich?
Ich spreche drei Sprachen: Englisch, Französisch und Arabisch. Außerdem spreche und verstehe ich auch noch Deutsch und Spanisch – zumindest ein bisschen. Meine Lieblingssprache mit den Passagieren ist allerdings eine andere – Sarkasmus. Das spreche ich wirklich auf jedem Flug! Ansonsten gibt es Flüge, wo an Board nur Englisch gesprochen wird; an anderen Tagen nutze ich dafür alle fünf Sprachen auf einer Strecke, und wenn ich mal nicht genug Schlaf bekommen habe, spreche ich vielleicht sogar alle fünf mit nur einem Passagier!

6. Hast du eine lustige/riskante/positive oder glückliche Situation aus einem Flug im Kopf die du mit uns teilen kannst?
Ich bin bereits an einem Punkt angekommen, an dem mich nicht mehr viel aus der Bahn wirft. Auch wenn das Arbeiten in einer Metallröhre für 12 Stunden am Tag manchmal wirklich stressig und voller emotionaler Probleme der Passagiere ist, muss man lernen diese Kleinigkeiten loszulassen, um die Kraft zu finden für die wichtigen Probleme eine Lösung zu finden.
Ich hatte vor kurzem einen hochnäsigen Passagier, bei dem man sofort merkte, dass er ganz besonders behandelt werden wollte. Ich glaube zwischendurch bezeichnete er mich herablassend als ‚Bedienstete‘, während er mich bei seiner Frau schlecht machte. Als ich dann an seiner Sitzreihe ankam, um ihm etwas zu trinken anzubieten, fragte er nach Mangosaft. Ich entschuldigte mich und klärte ihn auf: „Sir, wir haben leider nur Apfel-, Organgen-, Cranberry- und Tomatensaft und Clamato”. Er antwortete daraufhin: „Gut, dann nehme ich einen Guavasaft”. Freundlich und ruhig wiederholte ich die verfügbaren Säfte aus unserem Sortiment. Mit einem komischen Blick schaute er auf mich herab (und das, obwohl ich meine 5 cm hohen Nine-West High-Heels anhatte!) und sagte: „Dann geben Sie mir eben einen Orangensaft”. Ohne ein Bitte oder Danke fing ich an, den Orangensaft in einen Plastikbecher zu schenken. „Was?, “ schreit er, „ihr habt nicht einmal Gläser??” „Nein, Sir, wir haben weder Gläser noch Silberbesteck an Board”, antwortete ich freundlich und stelle ihm mit einem netten Lächeln vorsichtig sein Getränk auf den Tisch, den ich vorher für ihn ausgeklappt hatte. Der selbstgefällige Passagier aus der Economy Class, nahm einen kleinen Schluck des Orangensaftes und meckerte „das ist kein Orangensaft!”. – „Ok Sally”, dachte ich mir, „ruhig bleiben!“ Ich griff nach seinem Becher, nippte daran, schwenke den Saft auffällig in meinem Mund hin und her und schaue ihm direkt in die Augen: „Oh nein, nein, das ist definitiv Orangensaft!‘. Dann stelle ich ihm sein Getränk zurück auf den Tisch, packe meinen Getränkewagen und bediente wortlos die nächste Sitzreihe.

7. Wie sieht bei dir ein typischer Arbeitstag aus – oder gibt es überhaupt so etwas?
Nein, so etwas wie einen typischen, normalen oder Standard-Arbeitstag gibt es in diesem Job nun wirklich nicht. Das einzig wiederkehrende sind die Service-Pläne, an die wir uns je nach Flugdauer halten müssen. Bei allen Flügen ab 3:15 Stunden und länger zum Beispiel gibt es zwei volle Mahlzeiten und einen weiteren Getränkeservice am Ende. Ich habe auf jeden Fall keinen ‚9 – 5‘ Arbeitstag – sondern einen ‚wenn ich meine Augen öffne bis wenn ich meine Augen schließe‘-Tag. Es kann einmal in Toronto um 03:00 morgens losgehen, und Mitte nächster Woche auf den Bahamas um 14:00 enden. Ich wechsele häufiger die Kollegen als meine Outfits, bei jeder neuen Dienstroute hat man einen neuen Flugkapitän und Copilot, auch erster Offizier genannt. Diese Dienstroute ist manchmal am gleichen Tag geschafft – zum Beispiel nach Cancun und zurück, manchmal kommt man auch erst vier Tage später wieder an der Basis an. Typisch ist an diesem Arbeitalltag wirklich nur die Abwechslung.

8. Welche 5 Dinge / Lieblingsartikel hast du wirklich immer in deinem Handgepäck?
Ersatz-Strumpfhosen sind ein Muss, zwei oder sogar drei Paar muss man einpacken. Ein Buch, eine kleine Handtasche, ein kleiner Regenschirm (für alle Fälle), Handy-Ladegerät und am wichtigsten: Bikini, Bikini, Bikini!

9. Hast du ein paar Tipps oder einen guten Rat, den du angehenden Flugbegleitern und „Newbies“ geben kannst?
Man sollte wissen, was auf einen zukommt. Die Arbeit als Flugbegleiter ist kein gratis “around-the-world-ticket”. Der Job ist fordernd, und ideal für unabhängige Persönlichkeiten, die bereit sind, schwierige Herausforderungen anzunehmen und währenddessen immer ruhig zu bleiben. Mein Rat für jeden ist immer seinem Traum zu folgen, und wenn der eben in 12.000 Meter Höhe ist – sucht euch ein Trampolin und springt so lange, bis ihr oben angekommen seid!

Geschickt gepackt
Geschickt gepackt – Ersatzstrumpfhosen & Co im Handgepäck
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1 Comment

  1. Vielen Dank für deinen praktischen Beitrag.

    Ich habe deinen Blog schon seit einiger Zeit als Feed abonniert.
    Und jetzt musste mich mal zu Wort melden bzw. mich mal bedanken.

    Mache genauso weiter, freue mich schon auf den nächsten Beitrag

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